Knopfloch von Hand nähen – auch ganz ohne Nähmaschine
Ich weiß nicht, wie oft ich schon dachte: „Ach Mist, ich brauch ein Knopfloch – aber keine Maschine weit und breit.“ Oder die Maschine macht’s einfach nicht schön. Vielleicht kennst du das. Aber ehrlich: Ein Knopfloch per Hand zu nähen ist gar nicht so kompliziert. Und irgendwie fühlt sich das am Ende auch viel handgemachter an – weil’s das eben ist.
Warum man ein Knopfloch nicht einfach schneiden sollte
Klar, man könnte einfach einen Schlitz in den Stoff schneiden und gut ist. Aber genau das rächt sich ziemlich schnell. Der Stoff franzt aus, das Loch leiert aus – und nach ein paar Mal Knöpfen sieht’s aus wie gewollt und nicht gekonnt.
Ein echtes Knopfloch braucht Stabilität. Und dafür gibt’s den Knopflochstich. Der legt sich nicht nur über den Rand, sondern verankert jede einzelne Schlaufe durch eine Art Mini-Knoten. Dadurch hält das Ganze auch bei häufigem Gebrauch. Sogar bei Filz oder festen Stoffen lohnt es sich.
Was du brauchst
- Nadel
- Stickgarn oder Nähgarn (je nach Look)
- Schere (am besten eine mit spitzer Spitze, wie Stickschere)
- Stecknadel oder Kreide zum Markieren
- Optional: Lineal

So nähst du ein Knopfloch von Hand
1. Die Größe des Knopflochs bestimmen
Nimm dir den Knopf, den du später verwenden willst. Lege ihn auf den Stoff und markiere mit Stecknadeln oder Kreide die Breite. Wenn der Knopf etwas dicker ist, rechne seine Höhe mit dazu. Also: Knopf 1,5 cm breit + 0,3 cm dick = Knopfloch ca. 1,8 cm.
2. Umranden mit Heftstich
Bevor du das Loch schneidest, nähst du einmal drumherum. Einfach mit einfachen Vorstichen (also Heftstich) die Form umranden – gerade Linie, oval oder sogar wie ein Schlüsselloch. Diese Naht hilft dir später, gleichmäßig zu nähen – und stabilisiert die Kanten ein bisschen.
Ich persönlich lasse den Faden gleich dran, damit ich danach direkt mit dem Knopflochstich weitermachen kann.
3. Jetzt wird geschnitten
Mit der Spitze der Schere stichst du vorsichtig in die Mitte der markierten Linie und schneidest den Stoff entlang dieser Markierung auf. Achte dabei darauf, dass du die Heftstiche nicht zerschneidest. Je sauberer der Schnitt, desto besser sieht das Ergebnis aus.
4. Der Knopflochstich – los geht’s
Nadel einfädeln (ich nutze Stickgarn doppelt – sieht hübsch aus und hält gut), dann von hinten neben dem Schlitz einstechen und durch das Loch wieder nach oben kommen.
Jetzt kommt der Trick: Der Faden muss hinter der Nadel liegen, wenn du sie durchziehst. So entsteht der kleine Knoten am Rand.
Und das wiederholst du rund um den Schlitz herum. Immer nah beieinander, schön gleichmäßig.
5. Die Enden – rund oder gerade?
An den Enden musst du entscheiden: Willst du sie mit einfachen Stichen quer vernähen (also mit Satinstich), oder lieber die Knopflochstiche wie einen Fächer auffächern? Ich mag den Fächer-Look – sieht irgendwie eleganter aus.
Mein erstes Knopfloch – ein kleiner Nervenkrieg
Ich geb’s zu: Mein erstes Knopfloch war… na ja, sagen wir „kreativ“. Die Stiche waren ungleichmäßig, ich hab den Faden einmal falsch geführt, sodass der Knoten fehlte – und das Ganze sah eher aus wie ein Mini-Fischernetz. Aber: Es hat gehalten. Und beim zweiten Versuch war’s schon viel besser.
Was ich gelernt hab: Nicht zu fest ziehen. Und lieber langsam und mit Geduld als hektisch durch.
Noch ein paar Tipps
- Wenn du dicken Stoff hast, verstärk das Knopfloch zusätzlich mit einem Stück Einlage oder einer zweiten Stofflage.
- Für sichtbarere Knopflöcher (z.B. an Mänteln) sieht farbiges Garn toll aus.
- Wenn du das Loch zu knapp machst – kein Drama. Einfach mit einem spitzen Nahttrenner vorsichtig nacharbeiten.
- Übe vorher auf einem Stoffrest. Macht echt einen Unterschied.
Ein handgenähtes Knopfloch braucht Zeit, ja. Aber es gibt dem Kleidungsstück Charakter. Vor allem, wenn du historische Kleidung nähst, ist das fast Pflicht. Und selbst bei modernen Teilen macht es einfach Spaß, die Kontrolle selbst in der Hand zu haben – Stich für Stich.

