Wie man Glas bemalt ?

Wie man Glas bemalt ?

Alte Gläser neu gedacht: So wird aus einer langweiligen Vase ein echtes Einzelstück

Ich weiß nicht, wie’s bei dir aussieht, aber bei mir sammeln sich im Laufe der Zeit immer wieder Gläser an – leere Marmeladengläser, alte Vasen vom Flohmarkt, Flaschen mit hübscher Form, aber hässlichem Etikett. Wegwerfen bring ich oft nicht übers Herz. Und irgendwann dachte ich: Warum eigentlich nicht bemalen?

Das Bemalen von Glas ist tatsächlich einfacher als man denkt. Es braucht ein bisschen Vorbereitung und das richtige Material – aber dann macht’s richtig Spaß. Ich zeig dir hier mal, wie ich das mache und was sich über die Zeit als hilfreich (oder total nervig) herausgestellt hat.


Vorbereitung ist echt die halbe Miete

Bevor du zum Pinsel greifst: Glas muss sauber sein. Und ich meine wirklich sauber. Ich wasch die Gläser erst mit heißem Spüliwasser, rubbel Etikettenreste runter (Tipp: Öl hilft oft besser als kratzen) und wisch dann mit Isopropylalkohol oder Handdesinfektionsmittel nochmal gründlich drüber. Das entfernt wirklich alles an Fett – sogar unsichtbares von den Fingern. Sonst hält die Farbe nicht.

Ich trag bei sowas gern Einweghandschuhe – nicht unbedingt wegen der Farbe, sondern damit ich nach dem Reinigen nicht wieder alles versaue mit meinen Händen.


Welche Farben funktionieren?

Ich hab inzwischen drei Favoriten – je nachdem, worauf ich Lust hab:

1. Acrylfarbe (mit Medium)

Ganz normale Bastelfarbe funktioniert auf Glas oft nicht gut – sie platzt ab oder wirkt streifig. Wenn die Farbe aber als “für alle Oberflächen” deklariert ist, kannst du sie nehmen. Noch besser: mit Acryl-Medium mischen. Ich hab mal Gesso genommen (eigentlich für Leinwand), und das hat der Farbe einen coolen matten Look gegeben.

Ich hab z. B. mal eine kleine Vase gemacht, bei der ich die Farbe innen reingegossen und dann gedreht hab, bis sich ein schöner Farbwirbel ergab. Wichtig: nicht zu viel Farbe, sonst sammelt sie sich am Boden. Und während des Trocknens immer mal wieder drehen, sonst gibts so unschöne Pfützen.

2. Glasfarbe

Die ist speziell fürs Glas gemacht – oft transparent, manchmal mit Konturenfarbe (damit kann man quasi wie bei Kirchenfenstern arbeiten). Für Anfänger*innen find ich es aber am einfachsten, einfach Tupfen oder Pinselstriche in mehreren Farben übereinander zu setzen. Ich hab das mal mit Türkis, Blau und Gold gemacht – richtig schön, und man braucht kein Talent fürs Malen.

3. Acryl-Emaille (Spray)

Wenn’s schnell gehen soll oder du eine gleichmäßige Fläche willst, ist das mein Go-to. Ich kleb dann den Rand mit Malerkrepp ab, stell das Glas in einen Karton (gegen den Farbnebel) und sprüh in mehreren dünnen Schichten. Geduld ist hier echt wichtig – sonst läuft’s. Und: draußen oder gut lüften!


Was man oft vergisst (hab ich jedenfalls)

  • Manche Gläser (vor allem dünne oder recycelte) sind nicht hitzefest. Wenn du also vorhast, das Ganze im Ofen zu härten (steht manchmal auf den Farben drauf), lies vorher gut nach. Ich hab mal ein Glas geschrottet, weil ich’s zu schnell erhitzt hab. Seitdem: ins kalte Rohr stellen, dann mit aufheizen und gaaaanz langsam wieder abkühlen lassen.
  • Nicht jede Farbe ist lebensmittelecht. Ich bemale deshalb nur die Außenseiten und nutze die Gläser nicht für Essen oder Getränke.
  • Geduld beim Trocknen lohnt sich. Lieber 24 Stunden warten als zu früh anfassen und sich ärgern, weil man den Abdruck sieht.

Was ich schon damit gemacht hab

Eines meiner Lieblingsprojekte war ein Set aus alten Gurkengläsern – alle unterschiedlich bemalt, mit getrocknetem Eukalyptus drin. Ich hab die auf eine Holzplatte gestellt und als Mittelstück für den Esstisch genutzt. Sah richtig hochwertig aus, dabei hat’s fast nichts gekostet.

Auch schön: Ein altes Einmachglas in Schwarz und Gold besprüht, ein Teelicht rein – fertig ist ein stimmungsvoller Kerzenhalter. Oder mit Schulkindern zusammen bunte Windlichter gestalten, bei denen das Licht durch die transparenten Farben schimmert.


Noch ein paar praktische Tipps

  • Pinsel mit Naturborsten funktionieren besser als ganz glatte Synthetikpinsel. Die greifen die Farbe einfach besser.
  • Muster mit Klebeband abkleben funktioniert super – für klare Linien oder geometrische Designs.
  • Wenn du richtig künstlerisch drauf bist: Mit Konturenstift arbeiten und dann die Flächen ausfüllen – ergibt so einen Glasmalerei-Look.
  • Reste von Farbe oder Flecken kriegst du mit Alkohol oder Nagellackentferner (acetonfrei) wieder runter – solange sie noch nicht durchgehärtet sind.

Was man mit den bemalten Gläsern alles machen kann

  • Vasen für einzelne Zweige oder Trockenblumen
  • Kerzengläser (aber vorsicht: kein offenes Feuer bei Sprühlack)
  • Stifthalter fürs Home Office
  • Aufbewahrung im Bad (Wattepads, Schminkpinsel…)
  • Geschenkgläser mit Selbstgemachtem – sieht einfach schöner aus mit einem dekorierten Äußeren

Ganz ehrlich: Ich hab nach meinem ersten Glas gedacht “Ach, das mach ich nur einmal” – aber es ist ein bisschen wie Chips essen. Man hat immer noch ein Glas übrig. Und eine neue Idee. Und noch eine Farbe, die man ausprobieren will.

Wenn du also das nächste Mal ein leeres Marmeladenglas in der Hand hast – überleg kurz, ob es vielleicht noch ein zweites Leben als Kunstobjekt verdient hat. Meine stehen inzwischen im ganzen Haus verteilt. Und jedes davon erzählt ein bisschen meine Handschrift.

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